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Stehen Google und Amazon hinter dem Lavender-System?


Die Verbindungen zwischen staatlicher Überwachung, Militär und privaten Technologieunternehmen sind ein Thema, das gerade von den betroffenen Unternehmen gerne vermieden wird. Ein Beispiel dafür ist das »Projekt Nimbus«, ein milliardenschwerer Vertrag zwischen der israelischen Regierung und den amerikanischen Tech-Giganten Google und Amazon. Dieses Projekt, das offiziell Cloud-Computing-Dienste für die israelische Regierung bereitstellt, hat bereits in der Vergangenheit für Kontroversen gesorgt, da es möglicherweise zur Überwachung und Identifizierung von Palästinensern genutzt werden könnte. So hatten über 400 Mitarbeiter beider Unternehmen einen internen Brief unterzeichnet, in dem sie gegen das Projekt protestierten und ihre Geschäftsführung aufforderten, den Vertrag zu beenden und alle Verbindungen zum israelischen Militär abzubrechen.

Im Zuge der Enthüllungen von »+972 Mag« rund um die KI-Systeme »Lavender« und »Where’s Daddy?« liegt nun die Vermutung nahe, dass die vom israelischen Militär verwendeten Technologien mit dem genannten Projekt in Verbindung stehen könnten. Insbesondere »Lavender«, ein Programm, das entwickelt wurde, um Ziele für militärische Angriffe zu identifizieren, hat dem Bericht zufolge eine zentrale Rolle in der israelischen Kriegsführung gegen den Gazastreifen gespielt, mit wenig menschlichem Zutun und einem leichtfertigen Umgang mit zivilen Opfern.

Die Enthüllungen über die Funktionsweise von Lavender weisen beunruhigende Parallelen zu den von Google entwickelten KI-Systemen auf. Während diese Modelle von Google primär zu Entwicklungs- und Demonstrationszwecken der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, scheint es, als würden diese Technologien bereits in der realen Welt eingesetzt – und zwar in ihrer schlimmstmöglichen Form.

Zudem benötigt ein solches System sehr viel Rechenleistung, die durch Cloud-Systeme, wie sie Amazon und Google Israel zur Verfügung stellen, gewährleistet werden könnte.

Noch vor der großen Lavender-Recherche wurde bekannt, dass Israel in Gaza ein experimentelles Gesichtserkennungsprogramm auf der Basis von Google-Fotos verwendet, um Zivilisten als potenzielle Hamas-Mitglieder zu identifizieren.

Auch Amazon steht im Rampenlicht, vor allem wegen seiner Investitionen in Israel, die sowohl mit der Militäroperation als auch mit dem Ausbau der israelischen Siedlungen in Verbindung gebracht werden.

Anmerkung: Teile der Redaktion arbeiten aktuell an einer intensiveren Analyse über die Verbindungen zwischen »Lavender« und den beiden US-Konzernen. Diese wird so bald wie möglich erscheinen.