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Israels Ökozid in Gaza – Eine Untersuchung von »Forensic Architecture«


Seit Oktober letzten Jahres ist der Gazastreifen Ziel eines Angriffskrieges, der das ökologische und agrarwirtschaftliche System der Region nachhaltig zu zerstören droht. Die Forschungsgruppe »Forensic Architecture« hat eine umfassende Analyse veröffentlicht die zeigt, wie systematische Angriffe des israelischen Militärs auf landwirtschaftliche Flächen und Infrastruktur zu einem verheerenden Ökozid in Gaza führen.

Die Untersuchung deckt unter anderem auf, dass die israelischen Streitkräfte gezielt Obstplantagen und Gewächshäuser angreifen und absichtlich zerstören, was die ohnehin schon katastrophale Hungersnot in Gaza noch verschlimmert. Dies ist Teil einer umfassenden Politik der israelischen Besatzungsarmee, die palästinensische Bevölkerung ihrer Lebensgrundlagen zu berauben.
Die Familie Abu Suffiyeh, die einen der letzten Oliven-, Granatapfel- und Zitrusgärten entlang der östlichen Grenze von Gaza bewirtschaftet, steht exemplarisch für das Leid vieler Bauernfamilien. Ihr Land, das direkt an die von der israelischen Armee verhängte Pufferzone angrenzt, wird immer wieder mit Bulldozern bedroht, da jede Vegetation über einem Meter Höhe in der Nähe dieser militärischen Sperrzone als Sicherheitsbedrohung angesehen und dem Erdboden gleichgemacht wird.

Die Analyse von Forensic Architecture zeigt, dass seit der israelischen Invasion im Oktober 2023 fast 50 Prozent des Ackerlandes und der Obstgärten im Gazastreifen dem Erdboden gleichgemacht wurden. Satellitenbilder zeigen, dass bis März 2024 fast ein Drittel der Gewächshäuser in Gaza zerstört wurden.

Insgesamt wurden so seit Oktober 2023 mehr als 2.000 landwirtschaftliche Einrichtungen, darunter Bauernhöfe und Gewächshäuser, zerstört, oft um sie durch israelische Militärposten zu ersetzen. Besonders intensiv war die Zerstörung im Norden Gazas, wo 90 Prozent der Gewächshäuser bereits in der ersten Phase der »Bodenoffensive« zerstört wurden.

Forensic Architecture kommen zu dem Schluss, dass die Zerstörung von Agrarland und Infrastruktur in Gaza ein vorsätzlicher Akt des Ökozids und eine kritische Dimension des israelischen Genozids darstellt. Die lokale Nahrungsmittelproduktion einer Bevölkerung, die bereits jahrzehntelang unter Belagerung stand, wurde durch gezielte Angriffe auf Farmen und Gewächshäuser vollkommen zerstört. Die Auswirkungen dieser systematischen Zerstörung der Landwirtschaft werden verschärft, indem Israel den Palästinensern in Gaza bewusst weitere lebenswichtige Ressourcen vorenthält.