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Israels Krieg gegen Gaza: Ein Blick auf das vielfältige Scheitern des Regimes


Der anhaltende Krieg Israels gegen den palästinensischen Widerstand im Gazastreifen hat einen entscheidenden Punkt erreicht, an dem sich die Anzeichen mehren, dass Israel endgültig die Kontrolle über die Situation verliert. Trotz der überlegenen militärischen Fähigkeiten der israelischen Besatzungsarmee hat sich die Dynamik des Konflikts verschoben und bringt erhebliche Mängel in der israelischen Strategie und ihrer Umsetzung zum Vorschein. Dieser Artikel untersucht die verschiedenen Dimensionen des israelischen Versagens im Gazastreifen und stützt sich dabei auf aktuelle Analysen und Aussagen von Militärexperten, politischen Kommentatoren und internationalen Beobachtern.

Militärisches und taktisches Versagen
Die IDF-Doktrin der überwältigenden Gewalt hat kaum dazu beigetragen, ihr offizielles Kriegsziel – die Zerschlagung der Hamas – zu erreichen. Bei ihrer Bodenoffensive im Gazastreifen stießen die israelischen Truppen auf hartnäckigen und anpassungsfähigen Widerstand. Die britische Tageszeitung The Guardian wies bereits im Dezember vergangenen Jahres darauf hin, dass das brutale Vorgehen der IDF nicht nur zahlreiche zivile Opfer gefordert, sondern auch keinen entscheidenden Sieg auf dem Boden gebracht habe. Die anhaltende Fähigkeit der Hamas zu effektiven Gegenangriffen, wie der dreifache Hinterhalt vor wenigen Wochen in einem zuvor für »befreit« erklärten Gebiet, der den IDF erhebliche Verluste zufügte, unterstreicht die taktische Wirkungslosigkeit der israelischen Operationen.

Politische und strategische Fehler
Die politische Führung Israels, insbesondere Premierminister Benjamin Netanjahu, wurde wiederholt für ihr Vorgehen seit dem 7. Oktober kritisiert. Der pensionierte israelische General Yitzhak Brik forderte offen ein Ende des Krieges. Er räumte ein, dass Israel seine Ziele nicht erreicht habe und kritisierte den politischen Druck, der militärische Entscheidungen beeinflusse. Darüber hinaus hat das aggressive militärische Vorgehen Israels zu einer gravierenden Verschlechterung seines internationalen Ansehens geführt. Die Weltöffentlichkeit wendet sich zunehmend von Israel ab, dessen Vorgehen in Gaza zurecht als unverhältnismäßig und menschenrechtswidrig angesehen wird. Diese schwindende Unterstützung beschränkt sich nicht nur auf traditionell israelkritische Regionen, sondern erstreckt sich auch auf treue Verbündete, darunter die Vereinigten Staaten und die EU-Mitgliedstaaten. Die Besorgnis der Biden-Administration über die langfristige Schädigung des Ansehens Israels und die zunehmenden Forderungen innerhalb der USA, die Militärhilfe an Bedingungen zu knüpfen, spiegeln eine deutliche Veränderung der diplomatischen Dynamik wider.

Humanitäre Lage, interne Spaltung und militärische Demoralisierung
Die humanitären Folgen des Konflikts sind katastrophal: Zehntausende palästinensische Zivilisten wurden getötet, Millionen vertrieben. Die Vereinten Nationen und internationale Menschenrechtsorganisationen haben die Blockade und die massiven Luftangriffe verurteilt, die die humanitäre Krise immer weiter verschärfen. Israels Unfähigkeit, auf diese Kritik zu reagieren, und die Leugnung des Ausmaßes der humanitären Krise in Gaza haben die internationale Gemeinschaft weiter entfremdet. Gleichzeitig hat der lang andauernde Konflikt, die viel gepriesene »Moral« und militärische Stärke der israelischen Besatzungsarmee infrage gestellt. Hohe Opferzahlen und Berichte über eine unzureichende Vorbereitung auf einen Mehrfrontenkrieg haben Schwachstellen im israelischen Militärapparat offenbart. Aussagen israelischer Medien und ehemaliger Militärs bestätigen den hohen Preis, den die israelischen Streitkräfte zahlen müssen, und die strategischen Fehler, die in die gegenwärtige Sackgasse geführt haben.

Was daraus folgt
Israels Kämpfe in Gaza sind das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels militärischer, politischer und strategischer Fehler. Der Widerstand der palästinensischen Bevölkerung, Israels aggressives Vorgehen und die daraus resultierende humanitäre Krise haben zu einem erheblichen Verlust an internationaler Unterstützung und Glaubwürdigkeit geführt. Je länger der Konflikt andauert, desto mehr bricht die internationale Unterstützung für Israel wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Forderungen innerhalb Israels nach einem Ende des Krieges und der Stimmungsumschwung in der Welt lassen nur wenige Optionen offen: Entweder gelingt es der israelischen Führung noch irgendwie, einen Strategiewechsel zu vollziehen, der sowohl national als auch international positiv aufgenommen wird, oder wir könnten hier gerade den Anfang vom Ende des israelischen Apartheidregimes erleben.