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Hunger als Kriegswaffe


Es geschah alles innerhalb weniger Stunden. Die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu gab mit großem Tamtam und dem üblichen Echo in der westlichen Presse bekannt, dass 12 Mitarbeiter des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) an der Militäroperation innerhalb Israels am 7. Oktober letzten Jahres, der so genannten Al-Aqsa Flut, teilgenommen haben sollen. Und diese Ankündigung ist wie eine Bombe, die in Sekundenschnelle ein ganzes Gebäude zum Einsturz bringt, eingeschlagen.

Was für ein Zufall! Tel Aviv machte diese Ankündigung einen Tag, nachdem der Internationale Gerichtshof (IGH) die israelische Regierung aufgefordert hatte, dafür zu sorgen, dass den verzweifelten und hungernden Opfern eines brutalen Vernichtungsfeldzugs im Gazastreifen ausreichende humanitäre Hilfe gewährt wird. Die Anschuldigungen Israels gegen UNRWA-Mitarbeiter dienten 16 Ländern als Vorwand, die Finanzierung des Hilfswerks auszusetzen.

Es gibt mehr Fragen als Antworten. Auf jeden Fall viele Fragen ohne belegte Antworten. Und es gibt noch wichtigere Fragen: Warum die Eile, dem UN-Hilfswerk, das den palästinensischen Flüchtlingen humanitäre Hilfe leistet, die Mittel zu entziehen? Letztlich war die Hilfe bereits davor nicht ausreichend, um das Leid zu verhindern.

Sky News enthüllte, dass es einen israelischen Geheimdienstbericht einsehen konnte, der an ausländische Regierungen weitergegeben wurde und in dem behauptet wurde, dass sechs UNRWA-Mitarbeiter während des Angriffs am 7. Oktober beteiligt gewesen seien.

Dem Dossier zufolge sind von den rund 12.000 UNRWA-Mitarbeitern im Gazastreifen »10 Prozent Hamas/Palästinensischer Islamischer Dschihad-Aktivisten und etwa 50 Prozent Verwandte ersten Grades eines Hamas-Aktivisten«. Als Reaktion auf diese Behauptungen habe das Hilfswerk neun der 12 in dem Bericht genannten Personen entlassen, sagte UN-Chef António Guterres.

Führende internationale Menschenrechtsorganisationen verurteilten die Einstellung der Finanzierung als eine grausame Form der Bestrafung der Palästinenser in Gaza und der übrigen Flüchtlinge. Das UNRWA stellte am Sonntag klar, dass von den 12 Mitarbeitern, die in dem Dossier genannt werden, zwei bereits verstorben sind.
US-Außenminister Anthony Blinken erklärte seinerseits Anfang der Woche, die Behauptungen über die UNRWA-Mitarbeiter seien nicht »bestätigt« worden, und das obwohl die USA bereits angekündigt hatten, ihre Hilfszahlungen an die Hilfsorganisation auszusetzen.

Channel 4 berichtete mittlerweile, dass das Dossier kaum Beweise für die israelischen Anschuldigungen gegen UNRWA-Mitarbeiter enthalte.
Israel stand immer wieder dafür in der Kritik, gezielt Falschmeldungen über palästinensiche Organisationen oder das Volk allgemein zu verbreiten.

Michael Fakhri, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, sagte, dass »die Entscheidung einiger Staaten, dem UNRWA Gelder vorzuenthalten – wegen der angeblichen Handlungen einer kleinen Anzahl von Mitarbeitern – insgesamt mehr als 2,2 Millionen Palästinenser bestraft. Eine Hungersnot stand bereits unmittelbar bevor. Eine Hungersnot ist nun unvermeidlich«.

Weiter sagte er: »In den vier Monaten des Krieges wurden rund 100.000 Menschen im Gazastreifen getötet, verletzt oder gelten derzeit noch als vermisst. Das entspricht fast 5 Prozent der gesamten Bevölkerung«.

Aber nicht alle Geldgeber nehmen die Geschichte Tel Avivs einfach so hin. Norwegen, einer der wichtigsten Unterstützer der UNRWA, erklärte, es werde seine finanzielle Unterstützung für das Hilfswerk aufrechterhalten.
Lügen haben kurze Beine und die Wahrheit wird sich am Ende durchsetzen.
Das von Netanjahu geführte Lügenregime wird sie dann schlucken müssen, genauso wie viele andere, die es ebenfalls nicht geschafft haben, ihren Mangel an Moral zu vertuschen.