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03/04/2024

Die Rückkehr des Panafrikanismus: Ein Neuanfang für den Senegal?


Mit der Wahl von Bassirou Diomaye Faye zum neuen Präsidenten des Landes ist im Senegal ein Zeichen des Wandels gesetzt worden. Der 44-jährige ehemalige Gewerkschafter und Anti-Korruptions-Aktivist Faye trat am Dienstag sein Amt an und schwor, das westafrikanische Land in den kommenden fünf Jahren als Staatschef regieren zu wollen. Sein Sieg kam überraschend, nicht nur wegen der deutlichen Mehrheit von 54,3 Prozent der Stimmen, mit der er sich im ersten Wahlgang gegen den amtierenden Premierminister Amadou Ba durchsetzte, sondern auch wegen seines Status als politischer Außenseiter und Gesicht einer verbotenen Partei.

Ein linker Panafrikanismus
Faye vertritt ein linkes und panafrikanisches Programm und hat versprochen, wichtige systematische Reformen im Senegal durchzuführen, um die Korruption zu bekämpfen, die staatlichen Strukturen zu reorganisieren, die Macht Frankreichs im Land zu reduzieren und die Energieimporte zu diversifizieren. Diese Ziele fanden vor allem bei der senegalesischen Jugend Anklang. Seine frühere Partei, die »Afrikanischen Patrioten Senegals für Arbeit, Ethik und Brüderlichkeit« (PASTEF), wurde im Juli 2023 aufgelöst und Faye trat anstelle des disqualifizierten Bewerbers Ousmane Sonko als Präsidentschaftskandidat an.

Was sich ändern könnte
Eines der umstrittensten Versprechen Fayes ist die Abkehr vom CFA-Franc, der von Frankreich kontrollierten Währung, die als Symbol neokolonialer Einflussnahme in Westafrika gilt. »Es gibt keine Souveränität ohne monetäre Souveränität«, sagte Faye und deutete damit eine grundlegende Neuorientierung im Umgang Senegals mit dem westlichen Finanzkolonialismus an. Zu seinen Wahlversprechen gehören auch die Förderung des Wirtschaftswachstums, die Schaffung von Arbeitsplätzen, der öffentliche Zugang zu gerechten Sozial- und Versorgungsleistungen sowie die Stärkung der regionalen Zusammenarbeit zwischen den westafrikanischen Staaten.

Ein Blick in die Zukunft
Die Reaktionen auf die Wahl Fayes sind gemischt. Auch wenn französische und amerikanische Politiker gratulierten und sich für eine Fortsetzung der »Partnerschaft« mit Senegal aussprachen, bleibt abzuwarten, wie sich diese Beziehungen unter Fayes Führung entwickeln werden. Denn sein Amtsantritt fällt in eine Zeit, in der sich viele westafrikanische Staaten von ihren ehemaligen Kolonialmächten distanzieren und eine eigenständigere Politik verfolgen.

Die Präsidentschaft von Bassirou Diomaye Faye könnte einen Wendepunkt für den Senegal darstellen und sich in die anti-westliche Entwicklung in ganz Westafrika einreihen. Sein Engagement gegen Korruption, für soziale Gerechtigkeit und die Abkehr von neokolonialen Währungsabhängigkeiten signalisiert einen neuen Kurs, der auf regionale Selbstbestimmung und nationale Stärke setzt. Inwieweit er diese Versprechen in seiner Politik umsetzen wird und welchen Einfluss Fayes Präsidentschaft auf die geopolitischen Beziehungen in Westafrika und darüber hinaus haben wird, bleibt eine der aktuell vielen spannenden Fragen für die Zukunft der Region.