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30/03/2024

Rügenwalder Mühle: Verluste durch »Wokeness«?


In einem kürzlich veröffentlichten Artikel des Online-Mediums »Apollo News« wurde die Rügenwalder Mühle für einen Gewinneinbruch von 92 Prozent im Geschäftsjahr 2022 kritisiert. Die Darstellung im Artikel impliziert, dass die Umstellung des Unternehmens auf eine vegane Produktlinie zu finanziellen Schwierigkeiten geführt habe. Bei näherer Betrachtung der Fakten zeigt sich jedoch, dass diese Behauptung einer eingehenden Prüfung der zugrunde liegenden Faktoren und der tatsächlichen Performance des Unternehmens nicht standhält.

Erstens fand der von Apollo News hervorgehobene Gewinneinbruch im Jahr 2022 statt, bevor die Rügenwalder Mühle die Entscheidung traf, sich vollständig auf die Produktion veganer Produkte zu konzentrieren. Diese zeitliche Ungenauigkeit führt zu einer irreführenden Kausalität zwischen Produktumstellung und finanziellem Ergebnis.

Zweitens lässt die Darstellung wichtige Kontextinformationen außer Acht. Laut einer Pressemitteilung der Rügenwalder Mühle ist der Gewinnrückgang im Jahr 2022 vor allem auf Investitionen in eine neue Produktionsstätte zurückzuführen. Solche Investitionen sind typisch für Wachstumsphasen, in denen kurzfristige Gewinneinbußen in Kauf genommen werden, um langfristige Kapazitäts- und Umsatzsteigerungen zu ermöglichen.

Entgegen der Darstellung von Apollo News zeigt die Geschäftsentwicklung der Rügenwalder Mühle tatsächlich einen positiven Trend. Das Unternehmen konnte seinen Umsatz deutlich steigern, was auf eine erfolgreiche Anpassung an die Marktbedürfnisse und eine steigende Nachfrage nach veganen Produkten hindeutet. Im Jahr 2021 übertraf der Umsatz mit veganen und vegetarischen Produkten erstmals den Umsatz mit traditionellen Fleischprodukten – ein klares Indiz für den erfolgreichen Kurs des Unternehmens.

Die Kritik an der Rügenwalder Mühle und ihre Darstellung als finanziell instabil wegen ihrer veganen Produktlinie entbehren daher jeglicher Grundlage. Vielmehr handelt es sich um eine ideologisch motivierte Tatsachenverzerrung, die den tatsächlichen Erfolg des Unternehmens unterschlägt. Die Entscheidung, sich auf ein tierfreies Sortiment zu konzentrieren, spiegelt nicht nur die sich verändernden Verbraucherpräferenzen wider, sondern positioniert die Rügenwalder Mühle auch als Vorreiter in einem wachsenden Marktsegment.

Die irreführende Berichterstattung von Apollo News untergräbt damit nicht nur die tatsächlichen Erfolge eines Unternehmens (und das als pseudo-Marktliberale, die angeblich so viel Wert auf unternehmerische Freiheit legen), sondern stärkt auch eine ideologische Agenda, die sich gegen jede als »woke« wahrgenommene Transformation wendet, so sinnvoll sie ökologisch auch sein mag.