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21/03/2024

Den Doppelpunkten und Sternchen den Kampf ansagen


In einem kühnen Schritt, der die bayerische Staatsregierung in die Annalen der politischen Geschichte einreiht, hat Ministerpräsident Markus Söder beschlossen, dass es an der Zeit ist, den wahren Gefahren der Gesellschaft die Stirn zu bieten: Sternchen, Unterstriche und Doppelpunkte in der öffentlichen Verwaltung. Ja, während Schulen bröckeln und Lehrermangel an der Tagesordnung ist, kämpft die CSU an der vordersten Front gegen die Gendersprache – denn nichts schreit »drängende politische Agenda« mehr, wie ein Angriff auf grammatikalische Zeichen.

Bayern, bekannt für seine malerischen Landschaften, sein reichhaltiges kulturelles Erbe und jetzt auch als Vorreiter im Kampf gegen die sprachliche Inklusion, hat offiziell beschlossen, dass die wirklichen Probleme – wie marode Infrastruktur, steigende Wohnkosten oder die Klimakrise – warten können. Stattdessen hat man sich mutig den Doppelpunkten und Asterisken gewidmet, die offensichtlich die Grundfesten der bayerischen Identität bedrohen.

Söder, der tapfere Ritter in glänzender Rüstung, sieht sich selbst wohl als Wächter der traditionellen Sprache, der den Untergang des Abendlandes durch zu viel Inklusion verhindern will. »Nicht in meinem Amtsblatt«, scheint er zu rufen, während er seinen federbeschriebenen Degen zückt, um gegen die Übermacht der Gendersternchen anzukämpfen. Es ist fast, als könnte man die bayerische Jugend aufatmen hören, erleichtert darüber, dass ihre Zukunft nun gesichert ist, frei von der Tyrannei der gendergerechten Sprache.

Die Entscheidung, Gendersprache in Behörden zu verbieten, ist eine Meisterleistung der Ablenkungspolitik. Warum sich mit der Bildungskrise oder dem Pflegenotstand auseinandersetzen, wenn man sich stattdessen auf linguistische Spitzfindigkeiten stürzen kann? Es ist ein brillanter Schachzug: Warum die Welt verbessern, wenn man sie einfach grammatisch korrekter machen kann – zumindest nach der Vorstellung der CSU?

In Zeiten der Krise, wie wir sie gerade erleben, ist es beruhigend zu wissen, dass Bayerns höchste Priorität darin besteht, sicherzustellen, dass die staatliche Kommunikation frei von jeglicher Form von Gendersprache bleibt. Denn wie jeder erfahrene Politiker weiß: Wenn man die wirklichen Probleme nicht lösen kann, sollte man sich auf die konzentrieren, die man erfinden kann.

So steht Bayern nun da, fest entschlossen, sich nicht von der modernen Sprache oder der lästigen Realität unterkriegen zu lassen. Die Bürger*innen, Verzeihung, die Bürgerinnen und Bürger des Freistaats können nun beruhigt schlafen, wissend, dass ihre Regierung alles im Griff hat – solange es nicht um tatsächliche Probleme geht. Denn in einem Land, in dem man sich lieber mit der Gendersprache als mit der Zukunft seiner Jugend beschäftigt, da weiß man: Prioritäten sind alles.